Die Bayer. Staatsregierung hat im September 2002 mit dem Gesetz über die Errichtung und den Betrieb Integrierter Leitstellen (ILSG) im Freistaat Bayern die Grundlage für die flächendeckende Einführung des einheitlichen Notrufes 112 und der Errichtung von Integrierten Leitstellen für den Rettungsdienst, die Feuerwehren sowie den Katastrophenschutz geschaffen. Eine Integrierte Leitstelle hat danach die Aufgabe, alle Notrufe, Notfallmeldungen, sonstige Hilfeersuchen und Informationen für Rettungsdienst und Feuerwehr in ihrem Leitstellenbereich entgegenzunehmen.
Mit den Vorbereitungen, die zum Erlass des ILSG geführt haben, wurde bereits im Jahre 1994 begonnen. In diesem Jahr wurde auf Grund eines Landtagsbeschlusses geprüft, inwieweit die Einführung einer bayernweiten gemeinsamen Notrufnummer 112, auch vor dem Hintergrund des einschlägigen Beschlusses des Rats der Europäischen Union im Jahr 1991, für Rettungsdienst und Feuerwehr möglich und sinnvoll ist. Ziel war und ist es auch heute noch, die aus historischen Gründen getrennt und unterschiedlich entwickelten Alarmierungsstrukturen von Feuerwehr und Rettungsdienst in einer sinnvollen Weise zusammenzuführen. Während man beim Rettungsdienst in der bisherigen Organisationsform von einer weitgehend einheitlichen, großräumigen Struktur – 25 Rettungsleitstellen (RLSt) und eine Integrierte Leitstelle in München - sprechen konnte, griff die Feuerwehrorganisation auf kleinräumige Strukturen zurück. Die Alarmierung erfolgte hier über 330 Alarmierungsstellen unterschiedlicher Art, beispielsweise über Feuerwehreinsatzzentralen, Polizeidienststellen und Nachalarmierungsstellen.
Insbesondere wollte der Gesetzgeber mit der Errichtung Integrierter Leitstellen nicht nur Verbesserungen bei der Rettungsdienstalarmierung erreichen. Die Rettungsdienstrufnummer 19222 weist nach wie vor - auch nachdem sie im drahtgebundenen Netz vorwahlfrei geschaltet worden ist - gravierende Nachteile auf:
Diese Nachteile lassen sich nur durch die Mitbenutzung der Notrufnummer 112 durch den Rettungsdienst vermeiden. Diese Notrufnummer ist in der Bevölkerung besser bekannt als die 19222.
Durch die Zusammenführung von Rettungsdienst und Feuerwehr über die einheitliche Notrufnummer 112 wurden auch Probleme im Alarmierungssystem der Feuerwehren beseitigt, die dadurch entstehen, dass zu viele Stellen beteiligt sind, die Notrufstruktur nicht mit den Alarmierungsstrukturen übereinstimmt und Defizite in der fachlichen Qualifikation bei den derzeitigen oder vormaligen Alarmierungsstellen, Zentralen und Leitstellen vorhanden sind, wenn fachfremde Aufgaben zu erledigen sind.