vom 15.06.2010:
AGENDA 21 im Landkreis und „Fürstenfeldbrucker Energieresolution“
Fürstenfeldbruck war einer von zwei Modell-Landkreisen für die Agenda 21 in Bayern und entwickelte deshalb bereits früh ein Leitbild und einen Handlungskatalog für die Nachhaltigkeit in der Region. Ein erstes Energieprojekt (Solarthermie) startete schon 1996 und der große Erfolg führte zu weitergehenden Überlegungen zu einer zukunftsweisenden Energieversorgung. Nach einer Potenzialschätzung wurde im Jahr 2000 die „Fürstenfeldbrucker Energieresolution“ mit dem Ziel einer Energiewende verkündet: bis zum Jahr 2030 will der Landkreis den Energieverbrauch auf die Hälfte reduzieren und sich ausschließlich aus erneuerbaren Energien versorgen. Die Energieerzeugung soll mit einem regionalen Mix von Wasserkraft, Geothermie, Biogas, Pflanzenöl, Holz, Photovoltaik und Windkraft gedeckt werden. Dies dient dem Klimaschutz und dem Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und sichert die wirtschaftliche Sicherheit durch eine starke regionale Wertschöpfung. Die Landkreisbürger geben jedes Jahr mehr als 600 Millionen Euro für die Energieversorgung aus. Allein für Rohölimporte fließen 100 Millionen Euro jährlich aus dem Landkreis ins Ausland ab. Mit dem Umstieg auf heimische Energiequellen bleibt diese Kaufkraft und das Steueraufkommen im Land.
ZIEL 21 – Zentrum Innovative Energien e.V. wurde 2001 mit dem Satzungsziel der Bewusstseinsbildung für Erneuerbare Energien und Energie-Effizienz gegründet. Die Kreisgremien im Landkreis haben 2001 der Energiewende zugestimmt und den Beschluss 2007 nochmals bekräftigt.
Die Energieversorgung innerhalb 30 Jahren zu 100 % auf regenerative Quellen umzustellen, war im Jahr 2000 ein ambitioniertes Ziel und Fürstenfeldbruck war damit in Bayern und auch bundesweit Vorreiter und Vorbild für viele Regionen, die nahezu identische Ziele verabschiedet haben.
Pilotprojekte zur Bewusstseinsbildung: Bürger-Photovoltaikanlagen
Um Vertrauen in die damals noch neue Form der Energiegewinnung mit Photovoltaik zu bilden, startete ZIEL 21 damit, in jeder Landkreisgemeinde eine Bürgersolarstrom-Anlage auf einem öffentlichen Dach anzuregen und fachlich zu unterstützen. Vereine, Agendagruppen, Privatleute, Gemeinderäte und Bürgermeister – in vielen Orten fanden sich Initiatoren für Solardächer an denen sich Bürgerinnen und Bürger finanziell beteiligen konnten. Zwischen 2001 und 2003 wurden 20 Anlagen in 19 Gemeinde errichtet. Viele sind gut sichtbar auf Schuldächern gebaut, die Anlagen laufen erfolgreich und die Gesellschafter wirken als wichtige Multiplikatoren für neue Formen der Energieerzeugung.
Pilotprojekt: Freiflächenanlage im Jahr 2003
Leider stellte sich sehr schnell heraus, dass die Zahl geeigneter und verfügbarer Dachflächen begrenzt ist. So begannen schon 2002 – initiiert durch den Bürgermeister und engagierte Bürger – die Planungen für ein erstes Solarfeld in der Flächengemeinde Egenhofen. In Kooperation zwischen der Gemeinde und der Bauleitplanung wurde ein geeigneter Standort gefunden. Neben den technischen Voraussetzungen war vor allem der Aspekt der (Nicht-)Einsehbarkeit und der Naturschutz ein Hauptkriterium, um den Eingriff in das Landschaftsbild gering zu halten. Ein (damals) innovatives Aufständerungssystem wurde ausgewählt, das in den Boden gerammt wurde und rückstandslos nach dem Betrieb der Anlage entfernt werden kann, so dass anschließend bestes Ackerland wieder in den Kreislauf eingebunden werden kann. 2003 ging die erste Freiflächenanlage mit 1,1 MWp in Betrieb. Kommunalvertreter, nicht nur aus dem Landkreis besichtigten die Anlage, um sich ein konkrete Vorstellung von Freiflächenanlagen machen zu können. Dies hatte zum Ergebnis, dass viele Anträge zum Bau positiv entschieden wurden: 2005 wurde eine Freiflächenanlage in Althegnenberg (2,3 MWp) in Betrieb genommen. 2007 wurde die Freiflächenanlage in Moorenweis (6 MWp) realisiert. Die Kommune hatte eine Standortanalyse für die gesamte Gemeindefläche erstellen lassen. 2009 wurden je eine Beteiligungsanlage in Türkenfeld und eine weitere in Moorenweis errichtet, deren Hauptmerkmale die Eingliederung ins Landschaftsbild waren. Bei der ebenfalls 2009 fertiggestellten Anlage in Maisach wurden in Kooperation zwischen Entwickler, Gemeinde und Landratsamt verschiedenen Alternativstandorte gründlich gegeneinander abgewogen. 2009 und 2010 liefen Planungen für Solarfelder in Wasserschutzgebieten z.B. in Puchheim. Auch anderen Gemeinden liegen Anträge zur Genehmigung vor bzw. sind schon positiv beschieden. Die Leistung der geplanten Anlagen liegt in der Größenordnung von 35 MWp.
Im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Fürstenfeldbruck sind aktuell 35 MWp Photovoltaik installiert (Dachanlagen und Freiflächenanlagen). Das entspricht einem Anteil von 15 % des verbrauchten Stroms.
Um einen schnellen Umbau der elektrischen Energie-versorgung zu erreichen, die Produktionskosten für Photovoltaikanlagen weiter zu senken und die deutsche Technologieführerschaft zu sichern bräuchten wir einen engagierten Zubau bei der Solarstromerzeugung durch eine Generation Freiflächenanlagen, die dann nach 30 Jahren rückstandslos zurückgebaut werden kann, wenn z.B. Energie-Effizienzmaßnahmen deutlich zum Tragen kommen und der Ausbau der Photovoltaik auf den Dächern erfolgt ist. Etwa ein Drittel der Versorgung könnte mit Solarstrom gedeckt werden.
Kommunale DaseinsvorsorgeStadt-Umland-Versorgung mit Energie
Im dünnbesiedelten ländlichen Raum muss – vergleichbar mit der Lebensmittelversorgung – die Energieversorgung der verdichteten Räume teilweise mit übernommen werden, was aber auch zur Wertschöpfung im ländlichen Raum beiträgt. Im verdichteten Siedlungsbereich werden Energie-Effizienzmaßnahmen und Energieeinsparung von besonderer Bedeutung für eine zukünftige bezahlbare Energieversorgung.
Einsparpotenziale: Es hat sich gezeigt, dass im Gebäudebestand enorme Potentiale zur Energieeinsparung bestehen. So haben Häuser aus den 70er-Jahren vor der Sanierung vielfach einen Heizenergiebedarf von 30-40 Liter Öl je Quadratmeter Wohnfläche. Mit den heute gängigen Materialien und Techniken der Gebäudedämmung lässt sich der Energieverbrauch auf 10% des Ausgangswertes reduzieren. Gerade in den letzten Jahren waren hier erhebliche Entwicklungen zu verzeichnen.
Effizienzsteigerung: Neben den Einsparmöglichkeiten nehmen neue Technologien zur Effizienzsteigerung einen immer größeren Raum ein. Elektroautos z.B. lassen sich heute schon mit einem Drittel des Energieverbrauchs heutiger Verbrennungsmotoren betreiben. Der Strom aus 20 Quadratmetern Photovoltaikanlage reicht beispielsweise aus, um den Energiebedarf für eine Jahresfahrleistung von 15.000 km zu erzeugen.
Erneuerbare Energienmix: Die Sonne liefert in unserer Klimazone jährlich die Energiemenge von 100 Liter Öl auf jeden Quadratmeter. Es liegt also nur an uns, diese in Form von Pflanzen, Wind oder Strahlung angebotene Energie zu nutzen. Selbstverständlich darf die Energieerzeugung nicht zur Verdrängung der Nahrungsmittelerzeugung (hier oder in anderen Ländern) führen. Aus diesem Grund müssen die verschiedenen Energiequellen auch nach ihrem Flächenbedarf und möglichen ökologischen Auswirkungen überprüft werden. Gerade beim Energieertrag je Fläche ergeben sich sehr deutliche Unterschiede:
So lassen sich mit Biogas, Pflanzenöl oder Holz jährlich maximal 15.000 kWh (elektrische) Energie je Hektar "ernten". Im Vergleich dazu erbringt die gleiche Fläche mit einer Photovoltaikanlage mindestens 400.000 kWh. Eine einzige moderne Windkraftanlage produziert in Südbayern ca. 6.000.000 kWh, das entspricht dem Bedarf von 1.700 Haushalten. Damit wird deutlich, wo die Schwerpunkte im Landkreis in den nächsten Jahren liegen müssen: Photovoltaik und Windenergie werden die tragenden Säulen einer modernen elektrischen Energieversorgung. Biogas kann in vorhandene Gasnetze eingespeist und nach Bedarf zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden. Durch intelligente Regeltechnik in Kombination mit Speichertechnologie und Speicherkraftwerken können alle Erneuerbaren Energien so zusammengeschaltet werden, dass die Energieversorgungssicherheit gewährleistet ist.
Der Netzausbau muss den Anforderungen der Erneuerbaren Energien angepasst werden. Dafür werden unabhängige, kommunale Stadtwerke gebraucht, die im Sinne einer nachhaltigen Versorgungssicherheit für die Region agieren.
Die Kommunen müssen in der Bauleitplanung die Voraussetzungen für einen regionalen Energiemix schaffen.